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Philosophie

Philippe DescolaPhilippe Descola,
Jenseits von Natur und Kultur

Ein wichtiges Buch, in das man sich gerne vertieft.
Seit der Zeit der Renaissance ist unser Weltbild von einer zentralen Unterscheidung bestimmt: der zwischen Natur und Kultur. Dort die von Naturgesetzen regierte, unpersönliche Welt der Tiere und Dinge, hier die Menschenwelt mit ihrer individuellen und kulturellen Vielfalt. Diese fundamentale Trennung beherrscht unser ganzes Denken und Handeln. In seinem faszinierenden Buch zeigt der große französische Anthropologe und Schüler von Claude Lévi-Strauss, Philippe Descola, dass diese Kosmologie alles andere als selbstverständlich ist. Dabei stützt er sich auf reiches Material aus zum Teil eigenen anthropologischen Feldforschungen bei Naturvölkern und indigenen Kulturen in Afrika, Amazonien, Neuguinea oder Sibirien. Descola führt uns vor Augen, daß deren Weltbilder ganz andersartig aufgebaut sind als das unsere mit seinen »zwei Etagen« von Natur und Kultur. So betrachten manche Kulturen Dinge als beseelt oder glauben, daß verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Tieren und Menschen bestehen. Descola plädiert für eine monistische Anthropologie und entwirft eine Typologie unterschiedlichster Weltbilder. Auf diesem Wege lassen sich neben dem westlichen dualistischen Naturalismus totemistische, animistische oder analogistische Kosmologien entdecken. Eine fesselnde Reise in fremde Welten, die uns unsere eigene mit anderen Augen sehen läßt.
Philippe Descola, Jenseits von Natur und Kultur, Suhrkamp Verlag (www.suhrkamp.de), gebunden, 638 Seiten, ISBN 978-3-518-58568-9, 39,90 Euro.

 

Brigitte Aulenbacher/Meinrad Ziegler (Hg.), In Wahrheit …Brigitte Aulenbacher/Meinrad Ziegler (Hg.), In Wahrheit …

Von Dominik Schönleben
Für Kenner der Materie ein höchst interessantes Buch. Die Wahrheit als Gegenstand unserer Zeit muss sich der wissenschaftlichen Analyse stellen und findet sich im Spannungsfeld zwischen Gut und Böse.
Unsere modernen Gesellschaften haben ein gespaltenes Verhältnis zur Wahrheit. Einerseits ist Wahrheit als traditioneller Wert anerkannt, ihre prinzipielle Bedeutung unumstritten. Andererseits sind wir in vielen praktischen Dingen überzeugt davon, dass ohne Schwindeleien und Täuschungen nichts geht. Aber auch dann, wenn wir bei der Wahrheit bleiben wollen, tun sich neue Probleme auf. Es ist oft nicht einfach zu wissen, was wahr ist. Bürgt Wissenschaftlichkeit für Wahrheit? Oder sollen wir lieber unserer Erfahrung vertrauen, die oftmals ganz andere Wahrheiten bereit hält? Schließlich leben wir mit einer Flut von Informationen, von denen wir nicht nur nicht wissen, ob sie wahr sind, sondern sogar wissen, dass sie nicht wahr sind, aber dennoch maßgeblich, für uns oder für Andere.
Sich mit Wahrheit zu beschäftigen, ist grundsätzlich und alltäglich, wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch von brennendem Interesse. Die in diesem Buch versammelten Beiträge setzen sich kritisch mit diesem spannenden Thema auseinander.
Brigitte Aulenbacher/Meinrad Ziegler, In Wahrheit …, Studienverlag
(www.studienverlag.at), 166 Seiten, Softcover, ISBN 978-3-7065-4837-3, 14,90 Euro.

 

Richard Greene, K. Silem Mohammad, Die Untoten und die PhilosophieSchlauer werden mit Zombies,
Werwölfen und Vampiren
Richard Greene,
K. Silem Mohammad,
Die Untoten und die Philosophie

Tatsächlich, kein Witz, sondern ein sehr lesbares Buch
über die Grundfragen des Lebens, aufgehängt an
populären Trivialmythen.
Was können wir von Vampiren, Werwölfen und Zombies lernen? Nichts Geringeres als die bedeutendsten Ideen und Strömungen der Philosophie. Folgen Sie den Autoren auf ihrer lustigen, klugen und ziemlich schrägen Bildungsreise in die Welt der Untoten. Ihre Wiederauferstehung feiern die Untoten nicht erst seit dem »Biss« von Stephenie Meyer. Schon seit Jahrzehnten faszinieren Vampire und Zombies Leser und Filmfans aller Altersgruppen. Richard Greene und K. Silem Mohammad zeigen jetzt, dass einem bei Seelenlosen nicht nur ein kalter Schauer überkommt, sondern auch mal eine frische Brise ins Schädelinnere wehen kann. Etwa dann, wenn wir von der Ethik der Untoten lernen oder Heidegger als das erkennen, was er war: ein Vampirjäger. Ein genauerer Blick in die Welt der Zombies reicht aus, und schon hat man das Leib-Seele-Dilemma verstanden. Lesen Sie dieses Buch und Sie werden sich nie mehr vor der Philosophie gruseln müssen.
Richard Greene, K. Silem Mohammad, Die Untoten und die Philosophie, Klett-Cotta Verlag (www.klett-cotta.de), 288 Seiten, ISBN 978-3-608-50403-3, 19,95 Euro.

 

Baudrillard_Masse_U1_grJean Baudrillard, Im Schatten
der schweigenden Mehrheiten

Ein Lese-Abenteuer durch Geist und Sprache des Autos.
Stilistisch und gedanklich eine Freude.

Diese hier erstmals als Buch auf Deutsch veröffentlichte Studie zählt zu den konzisesten und wichtigsten Abhandlungen Baudrillards und ist doch eine der am wenigsten bekannten. Er beschäftigt sich darin mit den Grenzen der Soziologie, der Informationstheorie und den Theorien von »Masse«, für ihn der »Nullpunkt des Politischen«. Baudrillard formuliert eine Informationstheorie, nach der »die Masse ein Medium ist, das stärker ist als alle Medien«.
Jean Baudrillard, Im Schatten der schweigenden Mehrheiten, Matthes & Seitz Berlin (www.matthes-seitz-berlin.de), aus dem Französischen von Grete Osterwald, 160 Seiten, Klappenbroschur, ISBN 978-3-88221-693-6, 14,80 Euro.

 

HollAdolf Holl,
Wie gründe ich eine Religion

Provokant. Amüsant. Prägnant. Ein philosophisches und kluges Manifest. Das fulminante Werk eines großen Freigeistes.
Buddha ist im Wald verschwunden, Jesus in die Wüste gegangen, Mohammed in der Höhle gehockt, um sich einen Namen zu machen. Was macht Adolf Holl? Er geht zum Frisör und verknüpft in freier Assoziation Philosophie und Literatur mit der spirituellen Geistesgeschichte, um wieder zum profanen Leben zurückzukehren. Der Freigeist Adolf Holl hat ein Manifest geschrieben. Ein essentielles, profundes und liebevolles Manifest. Mit der festen Absicht, eine Religion zu gründen, reitet Holl in einem wilden Parcours durch die Geschichte der Religionen, der großen und kleinen. Spürt ihnen nach und fragt nach dem "Warum", nach der Notwendigkeit eines Glaubensbekenntnisses. Denn die heutige Zeit hat die einstigen Glaubensverkünder aus der Wüste wieder in die Wüste zurückgeschickt. Und jetzt muss eine Lösung her: eine neue Religion! Adolf Holl stellt Fragen und sucht Antworten. Nur eines scheint sicher: Die brauchbare Religion muss noch erfunden werden. Ironisch, witzig, und gehaltvoll beschreibt er die Sehnsucht nach einer Glaubensgemeinschaft, die funktioniert und lebbar ist.
Adolf Holl, Wie gründe ich eine Religion, Residenz Verlag (www.residenzverlag.at),
144 Seiten, ISBN 9783701715183, 17,95 Euro.

 

FlusserVilém Flusser,
Kommunikologie weiter denken

Die letzte Vorlesung des Klassikers der Medientheorie, inspirierend, unerwartet, fesselnd – man schaut die Welt, die man durch diverse Medienbrillen sieht, mit ganz anderen Augen an. Bzw. die Augen werden geöffnet, um dann ungläubig zu blinzeln. Ein Oha- und Aha-Erlebnis!
Anlässlich seiner ersten Gastprofessur in Deutschland im Jahr 1991 wollte Vilém Flusser seine Kulturkritik im Angesicht der neuen Medien noch einmal grundlegend durchdenken. Eine Neufassung seines Hauptwerks, der Lehre von der menschlichen Kommunikation, sollte daraus hervorgehen. Es musste bei den Vorlesungen bleiben. Wenige Monate später starb er bei einem Verkehrsunfall. Im
Vilém-Flusser-Archiv sind die Bochumer Vorlesungen zu einem konzentrierten Text redigiert worden. Er ist das kommunikologische Vermächtnis des Prager Kulturphilosophen.
Vilém Flusser, Kommunikologie weiter denken, Fischer Taschenbuch Verlag
(www.fischerverlage.de), 320 Seiten, ISBN 978-3-596-18145-2, 12,95 Euro.

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