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Roman

Jacobson_HJ_156898Howard Jacobson, J

Nachdenklich machende Dystopie, ein prophetischer Gesellschaftsroman, ein psychologisches Meisterwerk, das uns und dem aktuellen Zeitgeist unerbittlich den Spiegel vorhält.
Die Bewohner Port Reubens leben in scheinbarer Harmonie, sie hören nur noch Schnulzen und lesen kitschige Liebesromane, und nach dem schrecklichen Ereignis, über das nur als »Was geschah, falls es geschah« gesprochen wird, bekamen alle neue Namen. Kevern Cohen misstraut als Einziger dieser »großen Familie« und ihrer freiwilligen Ahnungs- und Meinungslosigkeit. Er ist ein Eigenbrötler, der die Bücher und Jazzplatten seines Vaters aufbewahrt hat und allein in einer Hütte auf den Felsen wohnt. Eines Tages wird ihm Ailinn Solomons vorgestellt, eine schwarzhaarige Schönheit, und die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch Keverns Unbehagen wächst: Ist ihre Liebe wirklich nur aus ihren spontanen Gefühlen genährt, oder haben andere Interesse an ihrer Beziehung? Ist er nur paranoid, oder werden sie tatsächlich überwacht und sind Teil eines allumfassenden, perfekt ausgeklügelten Plans?
Howard Jacobson, J, DVA (www.randomhouse.de), gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-421-04688-8, 22,99 Euro.

 

Leif RandtLeif Randt, Planet Magnon

Perfekt und verrückt - ein kühner, kunstvoller Gegenwartsroman aus einem anderen Sonnensystem.
In den unendlichen Weiten des Weltraums existiert ein Sonnensystem, in dem endzeitlicher Frieden herrscht. Seine sechs Planeten und zwei Monde werden von einer weisen Computervernunft regiert, die auf Grundlage von perfekter Statistik und totalem Wohlstand die fairsten Entscheidungen trifft. Zwischen Metropolenplanet Blossom und Müllplanet Toadstool ist längst die neue Zeit angebrochen, eine postdemokratische Ära des Friedens und der Selbstkontrolle. Menschen haben sich zu Kollektiven zusammengeschlossen, zu ästhetischen Gemeinschaften, die um die besten Lebensstile konkurrieren. Marten Eliot und Emma Glendale, die beiden jungen Spitzenfellows des Dolfin-Kollektivs, verlassen ihren heimischen Campus und reisen von Planet zu Planet, um neue Mitglieder anzuwerben. Doch das Sonnensystem wird erschüttert, als das aggressive Kollektiv der gebrochenen Herzen von sich reden macht, von dem man annimmt, es bestehe aus emotionalen Verlierern. Minzefarbene Giftwolken steigen von Marktplätzen und Sommercamps auf, tatsächliche Gewalt droht in die Planetengemeinschaft zurückzukehren. Auf ihren Reisen rücken Marten und Emma die gebrochenen Herzen gefährlich nahe. Können die beiden den Umsturz verhindern? In »Planet Magnon« schickt Leif Randt seine Protagonisten in eine bizarr utopische Welt, in einen Kosmos der Saurier und Raumschiffe, der an neue Popmythen ebenso erinnert wie an Klassiker des Hollywoodkinos. Ihm gelingt die Vereinigung von poetischer Eleganz, literarischem Wagemut und packendem Genre.
Leif Randt, Planet Magnon, Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de), 304 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-462-04720-2, 19,99 Euro.

 

Steven Bloom_1Steven Bloom, Das positivste Wort der englischen Sprache

Mit Steven Bloom hat Wallstein im aktuellen Programm eine interessante amerikanische Stimme: Mit seinem neuen Roman »Das positivste Wort der englischen Sprache« (aus dem Amerikanischen Englisch von Silvia Morawetz, März 2014) reisen wir in das Amerika der 60er-Jahre und schlagen einen Bogen bis ins Heute.
Im Mittelpunkt steht Norman Goldstein: ein Postangesteller, Sozialarbeiter, später Uniprof, der lieber für sich sein möchte, als sich dem gesellschaftlichen Trubel hinzugeben. Doch da niemand eine Insel ist, gerät auch Norman Goldstein immer wieder in Verwicklungen, die ihn zwingen, sich selbst und sein Umfeld in Frage zu stellen: Ehe, Sexualität, Rassendiskriminierung, Vietnam- und Irakkrieg, Geschlechterkämpfe, sexuelle Befreiungen – all dies bringt Steven Bloom in wahnwitzigen, schnellen Dialogen zutage.
Steven Bloom, Das positivste Wort der englischen Sprache, Wallstein Verlag
(www.wallstein-verlag.de), 160 Seiten, gebunden, Schutzumschlag,
ISBN 978-3-8353-1597-6, 17,9 Euro.

 

Gesa Olkusz, LegendenGesa Olkusz, Legenden

Mühelos und stilsicher zaubert Gesa Olkusz das Vergangene in die Gegenwart und die Magie in den Alltag.
Von Heimsuchungen geplagt, irrt Filbert durch Berlin. In einer Schneenacht trifft er Mae, ihre Liebe scheint einfach und endgültig. Noch kann Filbert nicht zur Ruhe kommen, die Legenden um seinen Großvater, der als Widerstandskämpfer in den Wäldern Osteuropas den Heldentod gestorben ist, treiben ihn um. Dann aber taucht Aureliusz auf, der nicht so harmlos ist, wie er aussieht: bloß ein Junge in einem löchrigen Pullover, und doch vermag er durch die Zeiten zu reisen auf seiner Suche nach der Wahrheit. Aber die lässt sich nicht so leicht finden, wenn jeder eine andere Geschichte erzählt und Filbert eigentlich nur Mae zurückhaben möchte.
Gesa Olkusz, Legenden, Residenz Verlag (www.residenzverlag.at), Hardcover, 192 Seiten, ISBN 9783701716357, 19,90 Euro.

 

AllendeIsabel Allende, Amandas Suche

Charmant, scharfsinnig, unverwechselbar und spannend. Amandas Suche von Isabel Allende erzählt den Weg einer furchtlosen jungen Frau, die mit allen Mitteln verteidigt, was sie liebt – ein fesselnder Roman über das kostbare Band zwischen Müttern und Töchtern und die lebensrettende Kraft der Familie.
Amanda ist lebensklug und ausgesprochen eigensinnig. Sie wächst in San Francisco auf, der Stadt der Freigeister. Ihre Mutter Indiana führt eine Praxis für Reiki und Aromatherapie und steht im Mittelpunkt der örtlichen Esoterikszene. Der Vater ist Chef des Polizeidezernats und ermittelt in einer grausamen Mordserie. Auf eigene Faust beginnt Amanda Nachforschungen dazu anzustellen, unterstützt von ihrem geliebten Großvater und einigen Internetfreunden aus aller Welt. Doch als Indiana spurlos verschwindet, wird aus dem Zeitvertreib plötzlich bitterer Ernst. Und Amanda muss über sich hinauswachsen, um die eigene Mutter zu retten. Isabel Allende, Amandas Suche, Suhrkamp (www.suhrkamp.de), gebunden,
479 Seiten, ISBN 978-3-518-42410-0, 24,95 Euro.

 

Neffe_JMehr_als_wir_sind_147552Jürgen Neffe, Mehr als wir sind

Ein fulminantes Gedankenspiel – ein großer Zeitroman vom Bestsellerautor und hoch gelobten Biografen Jürgen Neffe.
In einer Zeit, in der es kaum noch handschriftliche Zeugnisse gibt, stößt ein Biograf auf die Lebensgeschichte von Janush Coppki. Der weltfremde Chemielaborant ist Anfang des 21. Jahrhunderts auf der Suche nach der »Weltformel des Lebens«. Dabei entdeckt er ein Elixier, durch das Menschen nicht mehr schlafen müssen. Das Mittel steigert Kreativität, Ausdauer, Zuversicht und Libido. Doch wer es einmal nimmt, ist schnell davon abhängig. Zwischen dürfen und müssen liegt nur ein kleiner Schritt. Coppki gelingt es, mit seinem Wundermittel die Liebe der Fotografin Vera zu gewinnen. Über Veras Tochter Jenny und ihren Kreis der »Freunde der Nacht«, die von einer besseren Welt träumen, sowie mit Hilfe ihres Vaters, des Journalisten Leon Hard, verbreitet sich die Wachdroge bald über die ganze Welt, die zusehends aus den Fugen gerät.
Jürgen Neffe, Mehr als wir sind, C. Bertelsmann Verlag (www.randomhouse.de), gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-570-10205-3, 19,99 Euro.

 

KunkkuTuomas Kyrö, Kunkku

Der Bestsellerautor aus Finnland! Ein begnadeter Satiriker. Tiefsinnig und gleichzeitig unglaublich erheiternd.
Wunderbar schräg und jenseits aller politischen Korrektheit erzählt Kyrö in seinem neuen Roman aus dem (fiktiven) Leben des letzten Königs von Finnland und schreibt nebenbei die Geschichte des
20. Jahrhunderts um. Changierend zwischen Philosophie und Nonsens spottet der Autor genüsslich über Monarchie, Demokratie und Weltgeschehen. Eine großartige Gesellschaftssatire.
Tuomas Kyrö, Kunkku, Hoffmann und Campe
(www.hoffmann-und-campe.de), 576 Seiten,
ISBN 978-3-455-40512-5, 25 Euro.

 

 

Gewohnheit_2Ted Thompson,
Land der Gewohnheit

Großes Kino, brillantes Zeitportrait.
Möglicherweise war es nicht Anders' brillanteste Idee, sich auf der Weihnachtsparty der Ashbys sinnlos zu betrinken. Oder mit deren halbwüchsigem Sohn Charlie Drogen zu nehmen. Aber die Begegnung mit seiner Exfrau und ihrem neuen Partner, ausgerechnet ein gemeinsamer Freund aus Studienzeiten, setzt Anders mehr zu als gedacht, und so endet die Party im Eklat. Dabei hatte er gehofft, dass seine Scheidung eine Befreiung aus einem Leben voller Zwänge sein würde. Was für eine Täuschung. Er bereut seine Entscheidung und will sein altes Leben zurück, doch dort hat niemand auf ihn gewartet. Dann passiert eine Katastrophe und Anders wird gezwungen, sich seinen zertrümmerten Illusionen zu stellen. Ein junger Autor blickt auf die Generation seiner Eltern und fragt, wie ihre Entscheidungen von damals unsere Gesellschaft bis heute prägen.
Ted Thompson, Land der Gewohnheit, Ullstein (www.ullsteinbuchverlage.de), Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten, ISBN 9783550080746, 21 Euro.

 

OrfeoRichard Powers, Orfeo

Ein wunderbares Buch über Musik, Kreativität und
dem Traum von Familie.

Erzählt wird die Geschichte von Peter Els, der an der Ostküste der USA Professor für Musik ist. In den wilden Siebzigern waren seine Stücke Avantgarde. Jetzt will er der DNA ihre musikalische Struktur ablauschen und mit Molekülen komponieren. Bis die Homeland Security in sein Labor stolpert und ihn verhört, denn nach dem
11. September ist jeder verdächtig. Auf einer Fahrt quer durch die USA flüchtet Els vor dem FBI, erinnert sein Leben und sucht seine Familie – ein spannendes Roadmovie voller Emotion und funkelndem Geist, unserer Gegenwart und ihren Themen immer einen
Schritt voraus.

Richard Powers, Orfeo, S. Fischer (www.fischerverlage.de),
Hardcover, ISBN 978-3-10-059025-1, 22,99 Euro.

 

die_interessantenMeg Wollitzer, Die Interessanten

Ein lebenskluger, lebendiger Roman über das Wesen der Freundschaft mit einer scharfen Analyse des Zeitgeists.
Nach dem Tod ihres Vaters will Julie Jacobson nur noch eins: raus aus der Tristesse ihres provinziellen Zuhauses. Das Sommercamp an der Ostküste eröffnet ihr eine neue Welt. Eine Welt der Kunst, Kreativität und Freiheit, verkörpert durch die interessantesten Menschen, denen sie je begegnet ist: Ethan, Jonah, Cathy, Ash und Goodman, fünf junge New Yorker, die Julie ihrer Schlagfertigkeit und ihres schwarzen Humors wegen in ihre privilegierte Clique aufnehmen. Die Jahre und Jahrzehnte vergehen, aber nicht jeder der »Interessanten«, wie sie sich selbst halb ironisch nennen, kann aus seinen Begabungen das machen, was er sich als Jugendlicher erträumte. Was bestimmt das Leben – Talent, Glück oder das Resultat der eigenen Entschlossenheit? Meg Wolitzer zeigt an ihren Figuren die Tragik und Komik des Daseins und erzählt davon, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich versteht – vielleicht zu spät –, wer man einmal war und wer man geworden ist. ›Die Interessanten‹ ist ein großer Gesellschafts- und Ideenroman über das Wesen der Kunst und der Freundschaft vor dem Panorama der USA in den letzten vierzig Jahren.
Meg Wollitzer, Die Interessanten, Dumont Buchverlag (www.dumont-buchverlag.de),
608 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-8321-9745-2, 22,99 Euro.

 

OxfordPablo Tusset, Oxford 7

Frech, flott, Satire, Science Fiction, erdverbunden – unendliches Lesevergnügen.
Es sind die späten Achtziger, allerdings die des 21. Jahrhunderts. Die Menschen haben ihren Lebensraum auf das Universum ausgedehnt, interplanetare Firmen wie Coca-Cola und Apple bestimmen als Sponsoren den Lehrplan der Universitäten, und Krankenkassen wachen minutiös über den individuellen Kalorien-, Fett- und Alkoholverbrauch. In der Space-Universität Oxford 7 sieht man durch die künstliche Atmosphäre Earth, Moon und Sun, das Vogelgezwitscher wird pünktlich zum Wechsel der Tages- und Nachtseite angestellt, und die Schwerkraft liegt unverändert bei eins Komma eins, etwas schwerer als auf der Erde. Nur eines bringt die eingespielten Abläufe aus dem Takt: die Studentenproteste. Ständige Kontrolle, keine Prä-Computermusik auf dem Zimmer, keine Kerzen, keine Partys: Der Wunsch nach mehr Freiheit und weniger Sicherheit ist bei den Studenten erwacht. Dekanin Emily Deckart, bekannt für ihre Unnachgiebigkeit und ihre spitzen Absätze, klappert den Gang entlang zur Krisenkonferenz, bereit, den Aufstand niederzuschlagen. Zur gleichen Zeit finden sich die Studenten Mam’zelle, BB und Marcuse bei ihrem alten Professor Palaiopoulous ein. Sie haben einen Plan, wie sie Deckart endgültig loswerden können. Mit Hilfe des Draufgängers Rick, der sie in seinem alten Shuttle und dank einiger Tricks durch die Sicherheitsschleusen bringt, fliegen sie zur Erde. Ihr Ziel: Barcelona. Sie wollen einen berüchtigten Systemgegner finden, der in ihrem Plan die Schlüsselrolle spielt. Doch dieser Franz von Assisi ist gefährlicher, als sie dachten.
Pablo Tussets neuer Roman ist ein spannendes und unterhaltsames Science-Fiction-
Abenteuer, das uns mit großem Humor eine futuristische Welt mit all ihren absurden Details vor Augen führt: eine wohlmeinende wie totale Überwachungsgesellschaft, die so weit gar nicht mehr entfernt scheint. Und der Autor wirbelt den Leser so durch die Geschichte, dass dieser sich fragen muss: Wer ist denn nun der Bösewicht?
Pablo Tusset, Oxford 7, Frankfurter Verlagsanstalt (www.frankfurter-verlagsanstalt.de), 285 Seiten, ISBN 978-3-627-00191-9, 19,90 Euro.

 

NorfolkLawrence Norfolk,
Das Festmahl des John Saturnall

Ein Lesefest!
Vor 20 Jahren erschien »Lemprière’s Wörterbuch« und machte Lawrence Norfolk über Nacht zum Star der internationalen Literaturszene. Nun legt er nach langem Schweigen einen neuen, grandiosen Roman vor. In ihm erzählt er die Geschichte eines Waisen, der im 17. Jahrhundert zum bedeutendsten Koch seiner Epoche wird – ein Fest für die Sinne und den Intellekt.
England im 17. Jahrhundert. Als John seine Mutter verliert, hat er als Sohn einer angeblichen Hexe nur eine Chance, den Religionsfanatikern zu entkommen: Er muss seine vertraute Umgebung verlassen und das Herrenhaus von Buckland erreichen. Hier werden er und das von seiner Mutter überlieferte geheime Wissen um Pflanzen und Rezepte sicher sein. In Buckland steigt John vom Küchenjungen schnell zum Koch auf. Er versteht es, Lucretia, die verwöhnte Tochter von Sir William, mit seinen Kochkünsten zu betören. Aber Krieg und Standesunterschiede lassen kaum Platz für die Liebe zwischen dem berühmtesten Koch des Landes und der Lady von Buckland.
Lawrence Norfolk zeigt sein Liebespaar inmitten eines von politischen und religiösen Kämpfen zerrissenen Landes. Johns magische Rezepte und seine Geschichten aus jener Zeit, als Frauen und Männer, Herren und Knechte frei, gleich und glücklich ein sinnliches Fest feierten, sind wie ein Versprechen und schützen ihre Liebe vor Fanatismus, Gewalt und Verzweiflung.
Lawrence Norfolk, Das Festmahl des John Saturnall, Knaus Verlag (www.randomhouse.de), gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten, ISBN 978-3-8135-0366-1, 24,99 Euro.

 

DucharmeRéjean Ducharme, Von Verschlungenen verschlungen

Sogwirkung. Das Einlesen braucht ein kleines bisschen Geduld, aber es lohnt sich – man will nicht mehr aufhören, will mehr. Wie gesagt: Sogwirkung.
Der frankokanadische Meisterroman aus dem Jahr 1966 erstmals in deutscher Übersetzung. Als Normal- und als Vorzugsausgabe. Wer den Film "Léolo" von Jean-Claude Lauzon (1993) gesehen hat, weiß schon längst um dieses Buch, das im Film als Stütze für den wackligen Küchentisch dient und in dem der Junge Léolo nachts im Lichtschein des Kühlschrankes liest: "Meine Einsamkeit ist mein Palast. Da habe ich meinen Stuhl, meinen Tisch, mein Bett, meinen Wind und meine Sonne ..." In der Übersetzung von Till Bardoux wird der Schlüsselroman aus dem Film nun endlich auch den deutschsprachigen Lesern und Leserinnen zugänglich.
Réjean Ducharme, Von Verschlungenen verschlungen, Traversion Verlag
(www.traversion.ch), aus dem Französischen von Till Bardoux. Beiheft mit Beiträgen von Thomas Ballhausen und Madeleine Stratford, 320 Seiten, Lesebändchen,
ISBN 978-3-906012-00-1, 19 Euro.

 

J.K.Rowling_coverJ. K. Rowling,
Ein plötzlicher Todesfall

Die erfolgreichste Autorin der Welt geht neue Wege:
Am 27. September ist "Ein plötzlicher Todesfall" (Originaltitel: The Casual Vacancy) erschienen, der erste Roman für Erwachsene der Harry Potter-Autorin J.K. Rowling. Fünf Jahre nach dem Abschluss der "Harry Potter"-Serie durften Millionen Leser auf Rowlings ersten Roman für Erwachsene gespannt sein. Ihre Bücher verkauften weltweit über 450 Millionen Exemplare und wurden in 74 Sprachen übersetzt. In Zusammenarbeit mit den Ullstein Buchverlagen hat der Carlsen Verlag nun das neue Buch der
Erfolgsautorin herausgebracht.

Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt? J. K. Rowlings erster Roman für Erwachsene ist aufwühlend, berührend und spannend. Ein großer Roman über eine kleine Stadt von einer der besten Erzählerinnen der Welt.
J. K. Rowling, Ein plötzlicher Todesfall, Carlsen Verlag (www.carlsen.de) und Ullstein Buchverlage (www.ullsteinbuchverlage.de), aus dem Englischen von Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol, 576 Seiten, ISBN: 978-3-551-58888-3, 24,90 Euro.

 

JudasC. K. Stead, Mein Name war Judas

Interessant zu lesen – die etwas andere Version einer Schlüsselgeschichte der Bibel.
War Judas wirklich der Verräter, als der er allgemein gilt? Als alter Mann in Palästina lebend blickt er zurück. Er hat Jesus ein Leben lang mit tiefer Zuneigung begleitet, wurde aber skeptisch gegenüber der bedingungslosen Verehrung, die dieser zunehmend forderte. Das machte ihn zum Außenseiter in Kreis der Jünger, dennoch blieb er als Einziger an seiner Seite bis zum Ende. Der verräterische Kuss, der tatsächlich ein letzter Versuch war, Jesus zu retten, die Silberlinge, die nie gezahlt wurden - all das fügt C. K. Stead zusammen zur alternativen Geschichte. C. K. Stead, Mein Name war Judas, Eichborn Verlag (www.luebbe.de), Hardcover, 240 Seiten,
ISBN 978-3-8479-0509-7, 19,99 Euro.

 

Salvatore Scibona, Das EndeSalvatore Scibona, Das Ende

Aufwühlend, packend und überwältigend: Salvatore Scibonas Das Ende ist ein literarisches Ereignis: Nachdem der Roman in den USA erschien, wurde der Autor mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, für den National Book Award nominiert und vom New Yorker zu einem der 20 wichtigsten Autoren seiner Generation gekürt.
Am 15. August 1953 findet in Elephant Park, dem italienischen Viertel von Cleveland, Ohio, anlässlich des römisch-katholischen Hochfestes Mariä Himmelfahrt eine Prozession statt; ein Ereignis, bei dem sich verschiedene Schicksalsfäden kreuzen: die Fäden von Rocco LaGrassa, dem Bäcker von Elephant Park, der erfährt, dass sein Sohn in einem Kriegsgefangenenlager in Korea gestorben ist; von Mrs. Marini, der Engelmacherin, von ihrer Vertrauten Lisa Mazzone und derem 15-jährigen Sohn Ciccio - und von dem unheimlichen Juwelier, der sich selbst nur »der Waldläufer« nennt und ein schreckliches Geheimnis mit sich trägt. Salvatore Scibona verdichtet die Geschichten dieser höchst unterschiedlichen Menschen zum literarischen Porträt einer Zeitenwende – und stellt sich mit diesem Roman in die Tradition der europäischen Avantgarde, die mit Namen wie James Joyce, Samuel Beckett und Virginia Woolf verknüpft ist.
Salvatore Scibona, Das Ende, Arch Literatur Verlag (www.arche-verlag.com), 352 Seiten mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-7160-2640-3, 22,95 Euro.

 

David Monteagudo, EndeDavid Monteagudo, Ende

Ein Mystery Erlebnis mit nachhaltiger Wirkung – der Überraschungsbestseller aus Spanien. Unheimlich spannend und gut geschrieben.
Neun Freundinnen und Freunde verbringen ein Wochenende in den Bergen. Doch einer nach dem anderen verschwindet. Was geschieht mit ihnen? Dieser Roman gräbt sich dem Leser in einem unausweichlichen Sog tief ins Gedächtnis. „Fin“ ist ein außergewöhnlicher Roman.
David Monteagudo, Ende, Rowohlt Hardcover (www.rowohlt.de), 352 Seiten, ISBN 978-3-498-04520-3, 19,95 Euro.

 

 

Umberto EcoUmberto Eco,
Der Friedhof in Prag

Verschwörungstheorien à la Eco – grandios, ironisch,
raffiniert, irrwitzig, stilistisch glänzend!

Der Italiener Simon Simonini lebt in Paris, und er erlebt aus nächster Nähe eine dunkle Geschichte: geheime Militärpapiere, die der jüdische Hauptmann Dreyfus angeblich an die deutsche Botschaft verkauft, piemontesische, französische und preußische Geheimdienste, die noch geheimere Pläne schmieden, Freimaurer, Jesuiten und Revolutionäre - und am Ende tauchen zum ersten Mal die Protokolle der Weisen von Zion auf, ein gefälschtes „Dokument“ für die „jüdische Weltverschwörung“, das dann fatale Folgen haben wird. Umberto Eco, der Meister des historischen Romans, erzählt die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts, in der wir jedoch unser eigenes wiedererkennen können.
Umberto Eco, Der Friedhof in Prag, Hanser Verlag (www.hanser-literaturverlage.de), fester Einband, 528 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen und Lesebändchen,
ISBN 978-3-446-23736-0, 26 Euro.

 

Ein Jahrhundertgenie gewinnt an Kontur - Die erste Werkausgabe von Daniil CharmsEin Jahrhundertgenie gewinnt an Kontur - Die erste Werkausgabe von Daniil Charms

Er war ein Jahrhundertgenie, aber man wusste es nicht. Wie auch? Bevor er 1942 in einem stalinistischen Gefängnis verhungerte, konnte er von seinem umfangreichen Werk kaum etwas veröffentlichen. Wie durch ein Wunder waren bei der Hausdurchsuchung nach seiner Verhaftung zwar nur 5 seiner über 40 Notizhefte beschlagnahmt worden, aber bis in die sechziger Jahre blieb die Publikation seiner Texte in Russland verboten. Und erst in den Siebzigern begann in Deutschland die Entdeckung eines Autors, von dem Ingo Schulze zu Recht sagt: „Das Exemplarische seiner Dichtung für das zwanzigste Jahrhundert ist evident. Einen vergleichbaren Rang besitzt unter Charms’ westeuropäischen Generationsgenossen allenfalls Beckett.“ Nur liegt die erste vierbändige deutsche Werkausgabe von Daniil Charms vom Verlag Galiani Berlin (www.galiani.de) vor - und erstmals wird die Dimension des Werkes dieses großen Autors in seiner Vielfalt und er selbst in seiner Tiefe sichtbar.

 

Miguel SyjucosMiguel Syjucos, Die Erleuchteten

Ein umwerfendes Leseabenteuer, da muss man dran - und drinbleiben, weil man gar nicht anders kann (dazwischen Luftholen nicht vergessen!).
Die Leiche des philippinischen Exilschriftstellers Crispin Salvador wird eines Tages aus dem New Yorker Hudson River gefischt. War es Mord oder Selbstmord? Dieser Vorfall und die Suche nach einem verschwundenen Manuskript setzen eine atemberaubende Spurenjagd in Gang. Crispin Salvador ist tot. Das Manuskript des großen Enthüllungsromans, in dem er die historischen Verbrechen der herrschenden philippinischen Familien schildern wollte, ist verschwunden. Miguel, Salvadors strebsamer Schüler und der einzig verbliebene Freund, macht sich daran, das Leben seines Mentors aus dessen Romanen, Interviews und Artikeln zu rekonstruieren. Fragmente werden zu Mustern und Geschichten, das Ganze wächst sich zu einem wahren Epos aus. Als Miguel zu Recherchezwecken in sein Heimatland zurückkehrt, wird ihm deutlich, dass er auch auf den Spuren seiner eigenen Geschichte wandelt. »Die Erleuchteten« erzählt fantasievoll und mit literarischem Witz von einer aus den Fugen geratenen
postkolonialen Welt.
Miguel Syjucos, Die Erleuchteten, Klett-Cotta (www.klett-cotta.de), 446 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-608-93891-3, 22,95 Euro.

 

Anthony McCartenAnthony McCarten,
Liebe am Ende der Welt

Es gibt Bücher, die fesseln und berühren vom ersten Moment an. Dies ist eins. Drei unschuldige Mädchen, die plötzlich schwanger sind. Von Außerirdischen, versichern sie. Ein spannender Roman über Wunder, Täuschungen und die Geschichten, die wir erfinden, um uns vor der Wahrheit zu schützen. Und eine
phantastische Liebesgeschichte.

Ein verlottertes Provinzstädtchen am Ende der Welt. Kurz vor Heiligabend behauptet die 16-jährige Delia, einen Außerirdischen gesehen zu haben – und wird von allen ausgelacht. Keiner glaubt ihr. Das ändert sich, als in einem Kornkreis eine platt gewalzte Kuh entdeckt wird ... und als das schöne Mädchen merkt, dass es schwanger ist, obwohl es mit keinem der jungen Männer im Ort intimen Kontakt hatte. Als Delias besten Freundinnen Lucinda und Yvonne dasselbe widerfährt, kann selbst der Pfarrer dieses Wunder nicht erklären. Fasziniert von dem unerhörten Ereignis und noch mehr von den drei eigenwilligen Mädchen, versuchen drei Männer, jeder auf seine Art, das Geheimnis zu ergründen: der Pfarrer, der Skandaljournalist Vic aus Wellington, dem nur noch ein Knüller die Karriere retten kann, und der gut aussehende neue Bibliothekar Phillip, ein stiller, aber zorniger Intellektueller, dessen Liebe bisher ausschließlich den Büchern galt. Eine Geschichte mit einem tragischen Kern, erzählt wie ein Krimi, dessen eigenwillige Helden dank beherzter Eigeninitiative über ihre Grenzen hinauswachsen. Ein wunderbarer Nachfolger für Anthony McCartens Bestseller ›Englischer Harem‹.
Anthony McCarten, Liebe am Ende der Welt, Diogenes Verlag (www.diogenes.ch), Hardcover Leinen, 368 Seiten, ISBN 978-3-257-06764-4, 22,90 Euro.

 

MorgengebetDas Opus Magnum des großen Erneuerers
der isländischen Literatur
Thor Vilhjálmsson, Morgengebet

In der Tradition der isländischen Sagaliteratur entwirft Vilhjálmsson einen abenteuerlichen Roman - ein wenig im Stil von Ecos "Name der Rose". Mit seiner poetischen, kraftvollen Sprache zeichnet er ein Zeitpanorama des europäischen Mittelalters – an historische Tatsachen gelehnt und doch modern. Eine Pilgerfahrt nach Rom und eine vergebliche Suche nach Vergebung von Schuld, vor der Kulisse eines schroffen, kalten Landes aus Bergen, Feuer und Eis.

Island ist im 13. Jahrhundert politisch im Umbruch, in Europa bestimmen Endzeitvisionen das Denken. Mit seiner poetischen, kraftvollen Sprache und in eindrücklichen Bildern gelingt ihm ein grandioses Panorama des europäischen Mittelalters ganz im Stile von Umberto Ecos »Der Name der Rose«. Sturla Sighvatsson, der von 1199 bis 1238 lebte, ist ein Mitglied der mächtigen Familie der Sturlungen. Sturla verstrickt sich in Schuld, auch gegenüber dem Bischof. Am Ende reuen ihn seine Taten und er verlässt Island und die ihn liebende Solveig, um in einer Pilgerfahrt nach Rom vom Papst Vergebung seiner Sünden zu erlangen. Seine abenteuerliche Fahrt wird eine Reise zu sich selbst, an deren Ziel der Autor den ehrgeizigen Sturla dennoch scheitern lässt. Denn »ich glaube, wir müssen uns der Dichtung zuwenden, wenn wir dem Unglück entrinnen wollen« (Vilhjálmsson in einem letzten Interview im Februar 2011). Island ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Mehr Informationen zum Autor gibt es daher unter „Sagenhaftes Island“: www.sagenhaftes-island.is/de/islandische-literatur/autoren/nr/177.
Thor Vilhjálmsson, Morgengebet, Osburg Verlag Berlin (www.osburg-verlag.de), Roman,
336 Seiten, ISBN: 978-3-940731-65-4, 19,95 Euro.

 

Joris Karl Huysmans, Die KathedraleJoris Karl Huysmans,
Die Kathedrale


Magisch, lässt einen nicht mehr los.
Mit Au rebours (Gegen den Strich) schuf Joris Karl Huysmans die Bibel der Dekadenten. Die Hauptfigur Jean Des Esseintes, Parteigänger des Künstlichen, verkörpert diesen Typus in seltener Konsequenz. Er treibt seine ästhetizistischen Neigungen bis ins Äußerste. Auch Durtal, Held des satanistischen Romans La-Bas (Tief unten), aber auch Held der Trilogie des Glaubens: En route (Unterwegs), La Cathedrale und L'oblat, flieht vor der Wirklichkeit der alltäglichen Welt - in die Kunst, die Geschichte und schließlich in die Welt der Gläubigen, nach Chartres. Diesem «Gedicht in Stein» sucht er sein Geheimnis abzuringen und erschließt sich und dem Leser dabei die Welt des Mittelalters, den Geist einer Epoche. In diesem Sinn ist Die Kathedrale ein Buch der Sammlung, der Höhepunkt der spirituellen Autobiographie eines modernen Mystikers. Kunsthistorisches Kompendium, gelehrtes Werk und Roman eines Suchenden in einem, ist es Dokument eines Kampfes um Seelenruhe in einer heillosen Welt. Es ist eine Kathedrale aus Worten.
Joris Karl Huysmans, Die Kathedrale, P. Kirchheim Verlag (www.kirchheimverlag.de), Klappenbroschur mit Fadenheftung, 431 Seiten, ISBN 978-3-87410-033-5, 24,95 Euro.

 

Leonhard Fuest, Die schwarzen Fahnen von ParisLeonhard Fuest,
Die schwarzen Fahnen von Paris


Kurzweilig und inspirierend – eine Reise,
die bis ins Innere geht.
Leonhard Fuest geht auf eigenen Spuren: Er folgt Dichtern und Denkern der Stadt vergnügt ins Labyrinth ihrer Gedankengänge. So wird ein anderes Paris kenntlich, das Paris der Schlenderer und Melancholiker – dafür sorgen u. a. der verstörte Flaneur Charles Baudelaire genauso wie der schlaflose Aphoristiker E. M. Cioran, der melancholische Intellektuelle Roland Barthes oder der deprimierte Zyniker Michel Houellebecq. Sie und andere tauchen Paris in das Licht der »schwarzen Sonnen« ihrer Nachdenklichkeit.
Leonhard Fuest, Die schwarzen Fahnen von Paris, corso Verlag (www.corso-willkommen.de), Hardcover mit Schutzumschlag und Fadenheftung,
12 Seiten, Abbildungen, ISBN 978-3-86260-003-8, 19,90 Euro.

 

Alfons Schweiggert, Waar i a CharivariAlfons Schweiggert,
Waar i a Charivari

Wo Alfons Schweiggert drauf steht, ist Qualität drin –
immer wieder gut!
So wie der berühmte bayerische Trachtenschmuck-Charivari, sprich Scharivari, aus vielen Schmuckstücken besteht, die aneinander auf eine Kette gehängt vor dem Bauch getragen werden, so bieten die hier zusammengestellten Geschichten, Gedichte und Fundstücke des bekannten bayerischen Schriftstellers und Turmschreibers Alfons Schweiggert einen reizvollen Einblick in bayerischen Humor.
Alfons Schweiggert, Waar i a Charivari, SüdOst Verlag
(www.südost-verlag.de), 160 Seiten mit Illustrationen, Hardcover, ISBN 978-3-89682-196-6, 12,90 Euro.

 

Tony O’Neil, Sick CityTony O’Neil, Sick City

Der Wahnsinn in Prosa: unterhaltsam, abgefahren, spannend, unerwartet, irr. Gut!
Als Jeffreys "Sugar Daddy" beim gemeinsamen Liebesspiel das Zeitige segnet, weiß Jeffrey zunächst nicht wohin. Aber er ahnt, dass ein Neustart nur gelingen kann, wenn er endlich clean wird. Also weist er sich selbst in das Therapiezentrum des Fernseh-Therapeuten Dr. Mike ein, aber schon bald merkt er, dass der Promi-Doktor ihm keine Hilfe sein wird. Immerhin lernt er Randal kennen, unverbesserlicher Drogenfreak und Spross einer der einflussreichsten Familien Hollywoods. Er wird ihm helfen, den größten Schatz aus Bills Nachlass an den Mann zu bringen, ein Video-Tape, das einige der wichtigsten Schauspiel-Stars Hollywoods bei einer wüsten Sexorgie zeigt.
Tony O’Neil, Sick City, Übersetzer: Stephan Pörtner, Walde & Graf Verlag
(www.waldegraf.ch), 328 Seiten mit Illustrationen, Illustrator: Michel Casarramona, Gebunden, ISBN 978-3-03774-023-1, 24,95 Euro.

 

Peter Henisch, Morrisons VersteckPeter Henisch, Morrisons Versteck

Am 3. Juli ist der 40. Todestag von Jim Morrison – passend dazu dieser hinreißende und leichtfüßige Roman!
Jim Morrison, legendärer Sänger der Rockgruppe „The Doors“, ist am
3. Juli 1971 in einer Pariser Badewanne gestorben. Herzversagen mit 27. Doch es gibt auch andere Stimmen, die den Mythos um den „Lizard-King“ beschwören: Jim is alive ... Davon ist jedenfalls die Fotografin Petra überzeugt: An der Mauer eines geheimnisvollen Gartens ist ihr ein Exhibitionist begegnet, in dem sie J. M. wiederzuerkennen meint. Nur so viel, schreibt sie in ihrem Brief an den Journalisten Paul, ich bin einer Weltsensation auf der Spur. Dazu notiert Paul sarkastisch: Das hatte ich befürchtet. Mit einem Augenzwinkern verbindet Peter Henisch die Mythen, die sich um Morrisons Leben ranken, mit realen Elementen und baut daraus eine kühne Rockbiographie – ein Muss für alle Doors-Fans und jene, die es noch werden wollen, zum 40. Todestag einer Ikone der Popkultur.
Peter Henisch, Morrisons Versteck, Haymon Verlag (www.haymonverlag.at), Paperback, 304 Seiten, ISBN 978-3-85218-884-3, 9,95 Euro.

 

Thomas Sautner, Fremdes LandThomas Sautner, Fremdes Land

Von Dominik Schönleben
Das Buch erinnert sofort an den alten Ausspruch von Benjamin Franklin: „Wer seine Freiheit für Sicherheit aufgibt, verdient keines von beidem.“ Thomas Sautner entführt uns in eine Utopie der Demokratie, in der wir alle unsere eigene Unmündigkeit herauf beschworen haben.
Im Buch geht es um eine Demokratie, die nicht nur die Handlungsfreiheit der Menschen zu ihrer eigenen Sicherheit einschränkt, sondern auch ihre eigene politische Macht. Wir haben aufgehört, selbst zu denken und zu handeln, viel lieber überlassen wir das Denken den großen Konzernen, wir sind abgestumpft und gefühlskalt geworden. Selbst Filme oder der Tod von Verwandten können uns nur durch den Konsum von Drogen zu Gefühlsregungen bringen. Doch es gibt einen letzten Widerstand gegen die allgemeine Bevormundung, die „Linken Brigaden“, ist diese Bewegung die letzte Möglichkeit der Menschen auf Freiheit oder ist die Freiheit bereits verloren? In diesem Buch beschwört Thomas Sautner die Stimmung von Klassikern wie Georg Orwells „1984“ herauf, ein vollkommener Überwachungsstaat der Zukunft, und das alles zu unserer eigenen Sicherheit. Heraufbeschworen von uns selbst, durch den von der Regierung indoktrinierten Wunsch, Freiheit gegen Sicherheit zu tauschen. Diesmal werden wir nicht vom alles sehenden „Big Brother“ unterdrückt, sondern „Caring Mum“ will nur verhindern, dass wir uns selbst Schaden zufügen. Wem „1984“ unrealistisch und nicht der Zeit gerecht erscheint, wird in „Fremdes Land“ eine moderne Form des Klassikers finden, welche die Missstände und besorgniserregenden Entwicklungen unserer Zeit weiter ausmalt. Zu einer Utopie, die es leicht macht, in Anbetracht dieser unserer Gegenwart,
daran zu glauben.
Jack Blind glaubt, die Welt verändern zu können. Als Stabschef einer neuen Regierung wähnt er sich an den Hebeln der Macht. Tatsächlich aber wird er unbemerkt zur Spielfigur in einem System, in dem der Einzelne nur noch als Konsument zählt. Freiheit, Anstand und Selbstbestimmung sind bloß noch Schlagworte. Seine Schwester versucht, Jack die Augen zu öffnen. Doch er hält an der herrschenden Politik fest - bis er gezwungen ist, eine neue Wahrheit zuzulassen.
Thomas Sautner, Fremdes Land, aufbau Verlag (www.aufbau-verlag.de), gebunden,
256 Seiten, ISBN 978-3-351-03324-8, 19,95 Euro.

 

Ian McEwan, SolarIan McEwan, Solar

Gelesen von Dominik Schönleben
"Solar“ von Ian McEwan, ist ein Buch, dem scheinbar der Handlungsfaden fehlt. Jedes Mal, wenn man glaubt, endlich die zentrale Handlung des Buches entdeckt zu haben, zerstreut sich diese nach mehreren Seiten wieder. Doch genau dies lässt Solaris so besonders real erscheinen – keine künstlichen Höhepunkte oder sich von Beginn unausweichlich zuspitzenden
Ereignisketten. Genau diese präzise Wiedergabe der Wirklichkeit lässt einen ohne jegliches Entkommen in der Welt von
"Solar" versinken.

Erst langsam, wenn man bereits durch die Erzählweise von McEwan gefesselt wurde, entdeckt man, dass alle Erlebnisse von Michael Beard zu einem Ziel hinstreben, denn die Geschichte von "Solar" ist weitaus vielschichtiger als man zuerst angenommen hat. Eine Welt voller glaubwürdiger Charaktere – jeder mit einer eigenen Motivation, und ein Protagonist, der nicht immer alles über sich selbst preisgibt, lassen den Leser Platz für eigene Mutmaßungen und Interpretationen. Der Autor gibt keine dogmatischen Weisheiten an uns weiter, sondern lässt uns stellvertretend durch den Hauptakteur Michael Beard erst im Verlauf der Handlung erkennen, dass Handlungsbedarf gegen die globale Erwärmung gegeben ist. Wenn in Ian McEwans Roman selbst der Zweifler und Ignorant Michael Beared überzeugt werden kann, können wir uns dann dieser Erkenntnis erwehren? Was aber wenn Michael Beards Motivationen in Wahrheit gar nicht so uneigennützig sind, welchen Wert haben dann seine Bemühungen?
Michael Beard ist Physiker – und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er alles andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dauer bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt. In ›Solar‹ geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch um kriminelle Energie.
Er gehörte zu jener Sorte Männer – nicht wirklich attraktiv, meist kahl, klein, dick und klug –, die auf gewisse schöne Frauen erstaunlich anziehend wirkt. Zugute kam ihm dabei auch, dass manche Frauen ihn für ein Genie hielten, das man retten musste. Im Moment allerdings war Michael Beard nicht in bester Verfassung, lustlos, verzweifelt, nur auf eins fixiert, denn gerade ging seine fünfte Ehe in die Brüche. Michael Beard, 53, ist Nobelpreisträger der Physik. Doch seine besten Zeiten hat er hinter sich. Er lebt von seiner Reputation, gibt seinen Namen für Briefköpfe her, käut seine prämierte Idee in Vorträgen wieder und ergattert Fördergelder für ein politisches Prestigeprojekt: das Institut für Erneuerbare Energien. Wirklich neue Energie aber steckt er nur in den privaten Bereich: Während seiner fünften Ehe hat er es zu elf Affären gebracht. Nun aber rächt sich seine Frau und nimmt sich einen Liebhaber. Genau in dem Moment, als alles ins Wanken gerät, bietet sich ihm die Gelegenheit zu einem Coup. ›Solar‹ führt den Leser von London in die Arktis und bis nach New Mexico. Ian McEwans Roman ist eine ebenso gnadenlose wie vielschichtige Abrechnung mit der Politik, dem Wissenschaftsbetrieb – und einer Sorte Mann. Ein Buch, das den Faktor Mensch auf literarisch neue Art und Weise in die Klimarechnung einführt.
Ian McEwan, Solar, Diogenes (www.diogenes.ch), 416 Seiten, Hardcover Leinen,
ISBN 978-3-257-06765-1, 21,90 Euro.

 

Grit Kalies, LamortGrit Kalies, Lamort

Gelesen von Peter Pollak
Wenn man sich eingelesen hat, mag man das Werk nicht mehr aus der Hand legen – und gewinnt tiefe Erkenntnisse über das Leben und die Literatur bzw. den Literaturbetrieb.
Der Hugenotte und Physiker Lamort nimmt sich sehr wichtig. Zu wichtig, findet sein Nachbar, Kritiker und Ich-Erzähler, der sich seit Jahren von ihm vereinnahmt und in seiner Ruhe gestört sieht. Als Lamort auch noch mit dem Anliegen an ihn herantritt, er solle seine Biografie für ihn schreiben, ist das Maß des Erträglichen übervoll. Doch der Ich-Erzähler sieht es sportlich. Er nimmt die erneute Herausforderung an, bietet sie ihm doch die Gelegenheit, sich als Autor zu beweisen und nicht zuletzt ein für alle Mal mit dem blutleeren Pedanten und Nervtöter Lamort abzurechnen. »Lamort« ist ein verschlagenes Vexierspiel von Fiktion und Autofiktion, Fakten und Pseudofakten, Urheber- und Autorschaft. Erzählt wird die Geschichte von zwei Männern, die antreten, ihre ungleichen Erlebniswelten zu etwas Großem zu vereinen – ein Versuch, den einer von beiden mit dem Leben bezahlt.
Grit Kalies, Lamort, Mitteldeutscher Verlag (www.mitteldeutscherverlag.de), 224 Seiten, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-89812-697-7, 20 Euro.

 

Max Roqueta, All der Sand am MeerMax Roqueta,
All der Sand am Meer

Gelesen von Peter Pollak
Eintauchen in eine faszinierende Welt und am liebsten gar nicht mehr auftauchen müssen – macht süchtig.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Sibylle von Cumae, eine Seherin im Dienst des Gottes Apollon, der ihr Geliebter wird und ihr das Geschenk der Unsterblichkeit macht: So viele Jahre soll ihr Leben dauern, wie es Sandkörner am Meeresstrande gibt. Als aus der schönen Sibylle eine steinalte Zwergin geworden ist, gewährt ihr der Gott seine letzte Gunst – einen steten Identitätswandel durch die Reiche der Natur. Max Roqueta nutzt seine bunte und vielfältige Romanhandlung, um alle sprachlichen Register vom Realismus bis zum Prosapoem zu ziehen.
Max Roqueta, All der Sand am Meer, Mitteldeutscher Verlag
(www.mitteldeutscherverlag.de), 328 Seiten, Gebundenes Buch,
ISBN 978-3-89812-701-1, 24 Euro.

 

Toltz_Einladung_v31 Kopie_4Steve Toltz, Vatermord und andere Familienvergnügen

Brillant, Rasant, komisch, kosmisch, Lesefutter pur und ein höchst vergnüglicher Ausflug an den Rand des Wahnsinns, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – das ist Vatermord und andere Familienvergnügen von Steve Toltz, einem der jungen Stars der englischsprachigen Literaturszene.
„Die Leiche meines Vaters werden sie nie finden.“ Mit diesen Worten beginnt Jasper Dean die ungeschminkte Wahrheit über seine so eigentümliche Familie preiszugeben. Zeit seines Lebens hat sich Jasper mit der Frage herumgeschlagen, ob er seinen Vater bedauern, ignorieren, ihn verehren oder gar umbringen solle. Vater Martin, ein Moralist ohnegleichen, war Australiens meistgehasster Wohltäter. Und nichts hat ihn mehr verärgert, als der Bruder von Terry Dean zu sein – dem beliebtesten Verbrecher des Landes. Nicht verwunderlich also, dass Jasper unter die Räder des Bruderzwistes kam …
Mit unbändiger Fabulierfreude und mit diabolischer Schärfe erzählt Steve Toltz von der abenteuerlichen Odyssee des Helden durch Räuberhöhlen, Stripclubs und Nervenheilanstalten, von den Höhen der ersten Liebe und den Tiefen fehlgeleiteten Ehrgeizes. Steve Toltz wurde in Sydney geboren und lebte in Kanada, Neuseeland, Spanien und den USA. Heute wohnt er in Paris. Er arbeitete u. a. als Privatdetektiv, Kameramann, Telefonverkäufer, Sicherheitsbediensteter, Englischlehrer und widmet sich nun ganz dem Schreiben.
Steve Toltz, Vatermord und andere Familienvergnügen, Deutsche Verlags-Anstalt
(www.dva.de), aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann,
792 Seiten, 22,95 Euro.

 

Ernst-Wilhelm Händler, Welt aus GlasErnst-Wilhelm Händler,
Welt aus Glas

So muss Literatur sein! Darin versinken, alles für möglich halten, alles möglich machen und wenn man weggeht vom Buch, muss man die Wirklichkeit für eine Erfindung halten, weil dieses Buch-Universum doch so viel wirklicher ist!
Jillian und Jacob Armacost betreiben die größte Galerie für Glaskunst New Yorks. Dabei sind sie ein denkbar ungleiches Paar: Während Jillian seit einem Kindheitserlebnis eine Passion für die Blütenlampen von Tiffany hat und mit Mitte Zwanzig bereits eine führende Expertin für Glas ist, treibt der fast dreißig Jahre ältere Frauenheld Jacob die Galerie mit einem absurden Kauf um ein Haar in den Ruin. Jillian trifft eine Entscheidung: Sie wird sich von Jacob trennen. Zuvor aber muss sie die Zukunft der Galerie sichern. Eine äußerst wertvolle Sammlung von Glasvasen in Italien erscheint als die letzte Rettung; ohne einen Moment zu zögern, reist sie nach Europa. Jacob, der nichts von ihren Plänen ahnt, ist unterdessen mit einer Kundin aus den besten Kreisen New Yorks an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze unterwegs, um auf seine Weise wieder an Geld zu kommen. Zur gleichen Zeit, als Jillian in Mailand und Venedig ihren größten Coup landet, wird Jacob in Mexiko entführt.
Jillian und Jacob haben ihre Schicksale dem Glas anvertraut. Jillian spekuliert auf die Ewigkeit, Jacob auf ein intensives Jetzt. Durchsichtig und doch unnahbar, lebendig und doch unbewegt ist die Welt aus Glas. Sie bedeutet viel Geld für den, der erkennt, was er sieht. Doch besitzt der einzelne Mensch in einer Welt aus Glas noch eine Seele? Wilde Verfolgungsjagden durch die Straßen von Tijuana und erotische Eskapaden in San Diego und Venedig treiben die Handlung voran. Im neuen großen Roman von Ernst-Wilhelm Händler ergänzen sich ‚action‘ und ‚reflection‘ auf außerordentliche und spannende Weise.
Ernst-Wilhelm Händler, Welt aus Glas, Frankfurter Verlagsanstal
(www.frankfurter-verlagsanstalt.de), 608 Seiten, Leinen,
ISBN 978-3-627-00027-1, 25 Euro.

 

Reif Larsen, Die Karte meiner TräumeReif Larsen,
Die Karte meiner Träume

Mit großen Augen liest man dieses Buch: Kind, Abenteurer, Intellektueller und Gläubiger gleichzeitig – begibt sich auf eine Reise, die ganz genau das Ziel ist!
T. S. Spivet ist zwölf Jahre alt und ein genialer Kartograph. Denn er weiß genau, dass nichts von Dauer ist. Der Whiskykonsum seines Vaters wird ebenso in Diagrammen festgehalten wie die Anatomie von Glühwürmchen. Inmitten seiner merkwürdigen Familie lebt er auf einer Ranch in einem flachen Tal in Montana. Eines Nachts begibt sich
T.S. auf die Reise nach Washington und damit in ein unglaubliches Abenteuer. Reif Larsen ist 28 Jahre alt und lebt in Brooklyn, USA. Er schreibt, macht Dokumentarfilme und unterrichtet an der Columbia University. »Die Karte meiner Träume« ist sein erster Roman, den er noch als Student schrieb, an eine Agentur schickte und der ihn zum Shooting Star der amerikanischen Literaturszene machte. »Die Karte meiner Träume« erscheint gleichzeitig in 30 Ländern. Reif Larsens Debüt ist ein Juwel: Ein mit vielen Karten und wundervollen Zeichnungen versehener Roman über Freundschaft, Kindheit, Schuld und über Zuhausesein. Ergreifend, geheimnisvoll und verspielt, ein wahres Feuerwerk von Gefühlen und Ideen.
Reif Larsen, Die Karte meiner Träume, S. Fischer (www.fischerverlage.de), 460 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-10-044811-8, 22,95 Euro.

 

weltmaschine_1Klaus Ferentschik,
Der Weltmaschinenroman

Dinge gibt, und Menschen, die gibt es gar nicht. Und wenn man dann doch feststellt, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, beispielsweise durch das traumhafte Buch von Klaus Ferentschik, dann öffnen sich Blicke in Weiten und man ist so fasziniert, dass man noch tagelang später entrückt ist.
Ein biografischer Roman über die »Weltmaschine« und deren Erbauer Franz Gsellmann. Über das rätselhafte Kunstwerk, ähnlich den Werken Marcel Duchamps und Jean Tinguelys. Eine Maschine, deren einzige Funktion darin besteht, Maschine zu sein, die Maschine spielt. Im Oktober 1958 sieht Franz Gsellmann (1910-1981) in einem Zeitungsartikel über die Weltausstellung die Abbildung des Atomiums. Der Landwirt, der in der Steiermark einen kleinen Hof betreibt, ist davon so fasziniert, dass er mit dem Zug nach Brüssel reist, sich das Atomium ansieht, am selben Abend zurückfährt und heimlich mit dem Bau einer Maschine beginnt, die später als »Weltmaschine« bekannt wird. 1981 montiert er als letztes Teil ein großes, drehbares Fragezeichen, erklärt sein Werk für vollendet und stirbt.
Klaus Ferentschik verarbeitet in seinem Roman alle bekannten und unbekannten Fakten über die Weltmaschine und liefert eine literarische Erklärung der Obsession ihres Erbauers. Ein Buch über die Kraft der Träume und ein Plädoyer, ihnen unbeirrt zu folgen. In diesem Jahr feiern das Atomium und die Weltmaschine ihren 50. Geburtstag.
Klaus Ferentschik, Der Weltmaschinenroman, Matthes & Seitz Berlin
(www.matthes-seitz-berlin.de), mit Illustrationen von Horst Hussel und einer Weltmaschinenpostkarte, 160 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag,
ISBN 978-3-88221-729-2, 17,80 Euro.

 

Thomas Pynchon, Gegen den TagThomas Pynchon,
Gegen den Tag

Kolossal, inspirierend, komisch, von nicht abzusehender Tragweite, geht runter wie Öl, macht lange Nächte kurz, verspricht Leben und mehr – kurzum Thomas Pynchon!
“Gegen den Tag umspannt den Zeitraum zwischen der Weltausstellung in Chicago 1893 und den Jahren kurz nach dem Ersten Weltkrieg und führt von den Arbeiterunruhen in Colorado über das New York der Jahrhundertwende, London und Göttingen, Venedig und Wien, den Balkan, Zentralasien, Sibirien zur Zeit des Tunguska-Ereignisses und Mexiko während der Revolution ins Paris der Nachkriegszeit, Hollywood während der Stummfilmära und an ein, zwei Orte, die auf keiner Landkarte zu finden sind. Während sich die weltweite Katastrophe schon am Horizont abzeichnet, beherrschen hemmungslose kapitalistische Gier, falsche Religiosität, tiefe Geistlosigkeit und böse Absichten an hohen Stellen das Bild. Derweil treibt Thomas Pynchon sein Spiel. Figuren unterbrechen ihr Tun, um größtenteils alberne Liedchen zu singen. Seltsame und abseitige Sexualpraktiken werden ausgeübt, obskure Sprachen gesprochen, und das nicht immer idiomatisch richtig. Kontrafaktische Ereignisse finden statt. Vielleicht ist dies nicht die Welt, aber mit ein, zwei kleinen Änderungen könnte sie es sein." T.P.
Thomas Pynchon, Gegen den Tag, Rowohlt Verlag (
www.rowohlt.de), 1600 Seiten,
ISBN 978-3-498-05306-2, 29,90 Euro.

 

Boomerangs FlugBoomerangs Flug
Sabine Arnold erhält BoD AutorenAward

Lesenswert und mit einem ganz eigenen Blick – Preis mehr als berechtigt.
Sabine Arnold ist die Gewinnerin des BoD AutorenAward 2008. Die in Australien lebende gebürtige Hessin setzte sich mit ihrem Roman "Boomerangs Flug" gegen rund 100 Bewerber durch und nahm auf der Leipziger Buchmesse den mit 500 Euro dotierten Preis entgegen. Vor vier Jahren tauschte Sabine Arnold Sicherheit gegen das Abenteuer und zog mit Mann und Tochter ins australische Cairns. Kurz nach ihrer Ankunft fand sie endlich die Zeit, den schon lange gehegten Wunsch nach einem eigenen Roman zu verwirklichen. "Ich habe mich stark von der Atmosphäre meiner neuen Heimat inspirieren lassen, ansonsten ist die Geschichte aber rein fiktiv", erzählt die
37-Jährige. Die Jury würdigte besonders die spannende Handlung und das interessante Setting im exotischen Down Under. Der BoD-AutorenAward wurde in diesem Jahr zum siebten Mal verliehen. Die Jury honoriert neben Inhalt, Sprache und Stil auch die Buchgestaltung, das Marketingkonzept sowie den Verkaufserfolg. Zwei Gewinner des BoD AutorenAwards publizieren inzwischen bei Rowohlt beziehungsweise Heyne.boomerang_0803_Arnold2
Den Vorsitz der Jury hatten Rainer Groothuis, Buchgestalter und Geschäftsführer der bekannten Hamburger Agentur Groothuis, Lohfert, Consorten,
Kirsten Landt, Buchhändlerin und Leiterin der deutschlandweit größten Thalia-Filiale in Hamburg sowie Anne Tente, Belletristik-Lektorin beim Heyne Verlag. Sabine Arnold schildert in ihrem Roman, wie eine deutschstämmige Frau und Mutter jäh aus ihrem sicher geglaubten Familienidyll in Australien gerissen und von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Die Protagonistin gerät in einen Strudel schrecklicher Ereignisse, dessen Sog auch den Leser nicht mehr loslässt. Viele tägliche Begebenheiten, die die australische Lebensart und Natur vermitteln, hat Sabine Arnold in den Roman eingeflochten, dessen wechselnde Erzählperspektiven den Leser nah an die Akteure rücken lassen. Das Buch (ISBN 978-3-8334-9278-5) ist für 11,90 Euro überall im Buchhandel erhältlich.

 

Giwi Margwelaschwili, Officer PembryGiwi Margwelaschwili,
Officer Pembry

Genial und kultig – muss man gelesen haben!
Officer Pembry ist überrumpelt ? in einem rund einhundert Jahre alten Thriller namens »Das Schweigen der Lämmer« soll seine Zukunft eingeschrieben sein. Er soll einem intelligenten Kannibalen namens Hannibal Lecter zum Opfer fallen, wenn dieser aus dem Gefängnis ausbricht. So jedenfalls behauptet es der Beamte Meinleser von der Prospektiven Kriminalpolizei, der alles andere als verrückt zu sein scheint. Pembry muss also, um seinem Schicksal entgehen zu können, zur Lektüre greifen, und das Buch gegen den Strich lesen, um seine Haut zu retten. Giwi Margwelaschwili legt erstmals seit zehn Jahren wieder einen Roman über die «Lese- Lebenswelt« vor, ein intelligentes Spiel mit Lesewirklichkeiten und der Bedeutung von Lektüre für die Leser und die Gelesenen. »Officer Pembry« ist ein spannender SciFi-Krimi und zugleich literarischer Hochgenuss.
Giwi Margwelaschwili, Officer Pembry, Verbrecher Verlag (www.verbrecherverlag.de), Roman, 208 Seiten, ISBN 978-3-935843-90-4, 19,90 Euro.

Evelyn Waugh, Befremdliche Völker, seltsame SittenEvelyn Waugh, Befremdliche Völker, seltsame Sitten

Eine mitreißende Studie in Fremdheit – und der Spiegel, in dem man sich selber sieht, ist immer dabei. Intelligentes Lesevergnügen.
Als Evelyn Waugh am 10. Oktober 1930 von London aus nach Addis Abeba aufbrach, wusste er nicht recht, was ihn erwarten würde. Durch eine Verkettung verschiedener Umstände war die Krönung eines unbekannten Stammesfürsten im afrikanischen Hinterland zum Politikum geworden. Alle bedeutenden Weltmächte reisten zum schäbigen Dorfspektakel in die unfertige Hauptstadt Äthiopiens – und bauschten das Ereignis gewaltig auf. In Europa klangen die Berichte von der ungeheuerlichen Prachtentfaltung bei der Krönungszeremonie des Königs der Könige wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Waugh dagegen fühlte sich wie ein britischer Gentleman inmitten geschmackloser Barbarei und sah ganz andere Dinge als seine diplomatischen Kollegen – und auch bei seiner Heimreise über Aden, Sansibar, Kenia, Belgisch-Kongo und Südafrika zeigt sich Waugh als Mann totaler Illusionslosigkeit mit staubtrockenem Humor. Sein zeitloser Bericht gehört zu den Juwelen der Reiseschriftstellerei, er wird hier erstmals auf Deutsch veröffentlicht.
Evelyn Waugh, Befremdliche Völker, seltsame Sitten, Eichborn Verlag (www.eichborn.de), Die Andere Bibliothek Band 270, ISBN 3821845899, 27,50 Euro.

Simon Ings, Die unerbittliche Pünktlichkeit des ZufallsSimon Ings, Die unerbittliche Pünktlichkeit des Zufalls

In diesem Roman versinkt man – und bleibt tagelang drin, denn auf einen Zug kann und will man ihn nicht durchlesen.
Als der NASA-Astronaut Jim Lovell aus dem All auf die Erde blickt, sieht er einen stillen blauen Planeten, der sich friedlich in der Unendlichkeit dreht. Doch dort unten rast das Leben in wilder Betriebsamkeit und unüberschaubarer Komplexität. Kriege werden geführt, Philosophien debattiert, politische Entscheidungen getroffen, Beziehungen geschlossen und wieder beendet. Hauptakteure in diesem Gewebe aus unterschiedlichen Schicksalen, die vom London des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart reichen, sind das Mathematikgenie Anthony Burden, John Arven, der Herausgeber eines philosophischen Lexikons, der chamäleonartige Trickbetrüger und spätere Menschenhändler Saul Cogan, die Schauspielerin Stacey Chavez und die hochbegabte Kathleen Cogan. Ihre Lebenslinien kreuzen und verbinden sich zu einem Teppich, der immer deutlicher Gestalt annimmt und in dem schließlich die Geschichte des 20. Jahrhunderts zu erkennen ist.
Simon Ings, Die unerbittliche Pünktlichkeit des Zufalls, Manhattan
(www.randomhouse.de), 544 Seiten, ISBN 978-3-442-54620-6, 21,95 Euro.

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